Was die Event-Welt diese Woche bewegt hat: starke Messen, neue Mehrwegregeln und Eventtech in Eigenregie
Die deutsche Messewirtschaft behauptet sich auf hohem Niveau – gleichzeitig werden Kosten, internationale Unsicherheit und steigende Erwartungen der Kunden spürbarer. Parallel verändert ein neuer Rechtsrahmen den Umgang mit Verpackungen und Mehrweg im Eventcatering. Auch bei der Gestaltung und der Digitalisierung von Veranstaltungen zeigt sich dieselbe Grundbewegung: Einzelne gute Ideen reichen immer seltener. Gefragt sind belastbare Systeme, die Gestaltung, Logistik, Daten und Betrieb zusammenbringen.
1. Messewirtschaft bleibt stark – aber der Optimismus kühlt ab
Die deutschen Messeveranstalter erzielten 2025 nach einer aktuellen Erhebung des Branchenverbandes AUMA einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro. Damit blieb der Umsatz auf dem hohen Niveau des Vorjahres und lag zum zweiten Mal in Folge über dem bisherigen Vor-Corona-Höchststand von 4,1 Milliarden Euro. Bemerkenswert ist das auch deshalb, weil 2025 turnusbedingt nur 304 Messen stattfanden – nach 322 Veranstaltungen im Jahr 2024.
Auch die Reichweite blieb hoch: Rund 192.000 ausstellende Unternehmen, mehr als 12,7 Millionen Besucherinnen und Besucher sowie über 6,9 Millionen Quadratmeter vermietete Standfläche weist der AUMA für 2025 aus. 66 Prozent der Aussteller und mehr als ein Drittel der Besucher kamen aus dem Ausland. Die Umsatzzahlen umfassen allerdings nicht nur das Messegeschäft in Deutschland, sondern auch internationales Geschäft sowie Kongress- und Serviceaktivitäten der Gesellschaften. Sie sind deshalb ein wichtiger Branchenindikator, aber keine reine Abrechnung deutscher Messehallen.
Gleichzeitig zeigt der neue AUMA-Veranstalter-Ausblick 2026/2027, dass sich die Stimmung eintrübt. Nur 20,5 Prozent der befragten Veranstalter bewerten die eigene Geschäftsentwicklung optimistisch; im Vorjahr waren es 50 Prozent. Als größte Herausforderungen nennen sie steigende Kosten mit 95 Prozent, die wirtschaftliche Lage der ausstellenden Unternehmen mit 93 Prozent und geopolitische Unsicherheiten mit 85 Prozent. Die Befragung basiert auf 93 Antworten von leitenden Mitarbeitenden aus 24 deutschen Messegesellschaften.
Die Reaktion der Veranstalter ist aufschlussreich: Sie setzen stärker auf neue Formate, digitale Services, Community-Angebote und erlebnisorientierte Konzepte. Das bedeutet, dass Messen wirtschaftlich stark bleiben, ihr Angebot aber weiterentwickeln müssen, um für Aussteller und Besucher relevant zu bleiben.
Was Unternehmen und Aussteller daraus ableiten können
Ein voller Messekalender garantiert noch keinen erfolgreichen Auftritt. Wer ausstellt, sollte Stand, Gespräche, Programm und Hospitality als zusammenhängendes Besuchererlebnis planen. Bei einem hohen internationalen Anteil gehören mehrsprachige Kommunikation, unterschiedliche Ernährungsbedürfnisse und flexibel planbare Bewirtungszeiten von Anfang an ins Briefing.
Zugleich steigt der Druck, Budgets nachvollziehbar einzusetzen. Für das Standcatering bedeutet das: nicht allein Speisen pro Person kalkulieren, sondern Gesprächsphasen, Besucherwellen, Standteam-Versorgung, Servicegeschwindigkeit und mögliche Abendformate gemeinsam betrachten. Gute Hospitality schafft Zeit für Gespräche und entlastet das Standteam – sie muss dafür aber operativ ebenso belastbar sein wie der Messebau.
Einordnung aus Caterer-Sicht: Für einen Full-Service-Caterer im Rhein-Main-Gebiet ist die Entwicklung besonders relevant. Frankfurt bleibt mit international geprägten Leitmessen ein wichtiger Markt. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Größe einer Messe, sondern wie präzise Produktion, Zufahrt, Lagerung, Nachversorgung, Service und kurzfristige Änderungen zusammenwirken. Je internationaler und erlebnisorientierter ein Auftritt wird, desto wichtiger wird ein Cateringpartner, der Konzept und Logistik gemeinsam beherrscht.
2. Neues Verpackungsrecht: Mehrweg wird zur Planungsaufgabe
Seit dem 12. August 2026 gelten die EU-Verpackungsverordnung, häufig PPWR genannt, und das neue deutsche Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz. Der AUMA hat am 16. September zusammengefasst, was dies für Messegesellschaften, Aussteller, Messebauer, Logistiker und Caterer bedeutet.
Der Rechtsrahmen verschärft schrittweise die Anforderungen an Abfallvermeidung, Wiederverwendung, Recycling und Kennzeichnung. Für das Gastgewerbe ist vor allem der Zeitplan wichtig: Ab dem 12. Februar 2027 müssen Anbieter von Speisen und Getränken zum Mitnehmen den Kunden unter den jeweiligen gesetzlichen Voraussetzungen ermöglichen, eigene Behälter befüllen zu lassen. Ab dem 12. Februar 2028 kommt die Pflicht hinzu, eine wiederverwendbare Verpackung innerhalb eines Wiederverwendungssystems anzubieten. Für Transport- und Verkaufsverpackungen folgen ab 2030 weitere Wiederverwendungsziele.
Welche konkrete Pflicht greift, hängt unter anderem von Verpackungsart, Rolle in der Lieferkette, Ausgabeform und möglichen Ausnahmen ab. Veranstalter und Caterer sollten deshalb nicht pauschal von einer einzigen Lösung für alle Formate ausgehen. Der Beitrag ersetzt keine rechtliche Einzelfallprüfung.
Warum das bei Veranstaltungen komplexer ist als im Tagesgeschäft
Ein Mehrwegbecher allein ergibt noch kein funktionierendes System. Auf Messen und Großveranstaltungen müssen Ausgabe, Rückgabe, Pfand oder andere Anreize, Zwischenlagerung, Sortierung, Transport, Spülkapazität und Wiederbereitstellung als ein Kreislauf geplant werden. Hinzu kommen wechselnde Standbetreiber, externe Lieferanten und stark schwankende Besucherzahlen.
Unternehmen sollten deshalb jetzt eine Bestandsaufnahme vornehmen:
- Welche Einweg- und Mehrwegverpackungen werden in Produktion, Transport, Ausgabe und Take-away eingesetzt?
- Wer bringt welche Verpackung erstmals in Verkehr und wer trägt die jeweilige Verantwortung?
- Wo können Gäste eigene Behälter sicher und hygienisch nutzen?
- Welche Rückgabewege funktionieren auch bei Besucherspitzen?
- Reichen Lager-, Spül- und Transportkapazitäten für den geplanten Kreislauf aus?
- Welche Anforderungen müssen künftig in Ausschreibungen und Lieferantenverträge aufgenommen werden?
Einordnung aus Caterer-Sicht: Die neue Rechtslage macht Mehrweg endgültig zu einem Thema der Veranstaltungslogistik. Ein System ist nur dann nachhaltig und gastfreundlich, wenn es auch unter Zeitdruck funktioniert. Rückgabepunkte, Spültechnik, Nachversorgung und klare Verantwortlichkeiten sollten deshalb bereits bei Location- und Flächenplanung feststehen – nicht erst kurz vor Veranstaltungsbeginn.
3. Eventräume werden wohnlicher – und müssen sich schneller verändern lassen
Die aktuelle Ausgabe des BlachReport greift in einem Fachinterview mehrere Gestaltungsentwicklungen auf. Genannt werden natürliche Materialien, warme Farben, unterschiedliche Möbel statt einheitlicher Serien sowie stärker individualisierte Tischkultur. Gleichzeitig sollen Räume mehr Bewegung und Kommunikation ermöglichen. Hochtische, Barhocker und wechselnde Aufenthaltsbereiche ergänzen klassische Tischgruppen.
Die Quelle ist ein Interview mit einem Anbieter und keine repräsentative Marktstudie. Trotzdem ist die operative Beobachtung für Planer interessant: Gestaltung und Gastronomie lassen sich immer weniger getrennt behandeln. Wenn ein Cateringkonzept von klassischem Fingerfood zu hochwertigem Gabelfood, Foodstationen oder Livecooking wechselt, verändern sich auch Anforderungen an Geschirr, Besteck, Ablageflächen, Gästewege und Reinigung.
Zudem müssen Räume häufig mehrere Funktionen an einem Tag erfüllen: morgens Konferenz, nachmittags Networking, abends Empfang oder Party. Dann wird die Umbaugeschwindigkeit selbst zum Qualitätsmerkmal. Möbel, Transportwagen, Cases, Lagerflächen und Personalwege entscheiden mit darüber, ob der Wechsel reibungslos gelingt.
Was bei der gemeinsamen Planung von Raum und Catering wichtig ist
- Serviceform und Mobiliar müssen zueinander passen: Was können Gäste im Stehen tatsächlich bequem essen?
- Teller, Besteck und Gläser sollten nicht nur gut aussehen, sondern sicher transportierbar und schnell nachsteuerbar sein.
- Laufwege von Gästen und Servicepersonal dürfen sich möglichst wenig kreuzen.
- Für jeden Nutzungswechsel braucht es einen realistischen Umbauplan mit Zeit, Personal und Zwischenlagerung.
- Die Rückseite des Erlebnisses – Spüle, Leergut, Abfall, Nachschub und Cases – benötigt ebenso viel Planung wie die sichtbare Fläche.
Einordnung aus Caterer-Sicht: Aufenthaltsqualität entsteht nicht allein durch Dekoration. Sie entsteht, wenn Raum, Speisen, Service und Ablauf dieselbe Idee unterstützen. Gerade bei Corporate Events und Markenerlebnissen sollte der Caterer deshalb früh in die Flächenplanung einbezogen werden. So lassen sich gestalterische Wünsche in ein Konzept übersetzen, das auch bei vielen Gästen, kurzen Umbaufenstern und engem Back-of-House zuverlässig funktioniert.
4. Eventtech in Eigenregie: möglich, aber nicht ohne Sicherheitsnetz
Ein Gastbeitrag bei Event Partner zeigt, wie niedrig die technische Einstiegshürde inzwischen geworden ist. Für ein Firmenjubiläum mit mehreren hundert Gästen entwickelte eine Eventmanagerin der SNOCKS Group mithilfe von KI und der Plattform Lovable ein eigenes Ticketportal. Das System umfasste unter anderem personalisierte Tickets, QR-Codes, Begleitpersonen-Verwaltung und ein Backend für die Gästeliste.
Der Praxisfall zeigt nicht nur die Möglichkeiten, sondern auch die Grenzen. Beim Einlass funktionierte die Scanner-Funktion zunächst nicht und musste kurzfristig korrigiert werden. Auf Zahlungsfunktionen und Wallet-Integrationen wurde bewusst verzichtet. Die Autorin weist selbst darauf hin, dass personenbezogene Daten, Datenschutz, Sicherheit und geschäftskritische Prozesse eine zusätzliche fachliche Prüfung verlangen.
Die zentrale Erkenntnis lautet daher nicht, dass Dienstleister überflüssig werden. Kleine interne Werkzeuge lassen sich heute schneller prototypisieren. Je kritischer der Prozess wird, desto wichtiger werden jedoch professioneller Test, dokumentierte Zuständigkeiten und ein belastbarer Ausweichplan.
Fünf Prüffragen vor dem Eigenbau
- Welche personenbezogenen oder besonders sensiblen Daten verarbeitet das Tool?
- Was passiert, wenn Check-in, QR-Code oder Internetverbindung ausfallen?
- Sind Zahlungsverkehr, Schnittstellen oder Zugriffsrechte betroffen?
- Wer wartet das System nach dem Event und löscht Daten fristgerecht?
- Gibt es einen getesteten manuellen Prozess für den Ernstfall?
Auch fürs Catering sind verlässliche Gästedaten wichtig. Teilnehmerzahlen, Zeitfenster, Sonderkostformen und No-shows beeinflussen Einkauf, Produktion, Personal und Ausgabe. Ein selbst gebautes System kann diese Informationen besser verfügbar machen – oder zum Risiko werden, wenn Daten unvollständig, ungeschützt oder am Veranstaltungstag nicht erreichbar sind.
Einordnung aus Caterer-Sicht: Digitale Werkzeuge sind dann nützlich, wenn sie bessere operative Entscheidungen ermöglichen. Für die gastronomische Planung zählt nicht die technische Neuheit, sondern die Verlässlichkeit der Daten. Deshalb sollten Veranstalter nur die wirklich benötigten Informationen erheben, Verantwortlichkeiten klären und für kritische Abläufe immer einen getesteten Fallback vorsehen.
Fazit: Die Branche professionalisiert ihre Systeme
Die Meldungen dieser Woche wirken auf den ersten Blick sehr unterschiedlich. Tatsächlich beschreiben sie dieselbe Entwicklung: Veranstaltungen werden wirtschaftlich bedeutender, regulatorisch anspruchsvoller, gestalterisch individueller und technisch zugänglicher. Dadurch wächst aber auch der Bedarf an klaren Prozessen.
Für Unternehmen, Agenturen und Veranstalter bedeutet das: Hospitality, Mehrweg, Raumgestaltung und digitale Werkzeuge sollten nicht als einzelne Zusatzaufgaben behandelt werden. Wer sie früh miteinander verbindet, reduziert Reibungsverluste und schafft ein besseres Erlebnis für Gäste, Standteams und Mitarbeitende. Für Caterer wird damit die Fähigkeit wichtiger, nicht nur Speisen zu liefern, sondern Planung, Ausstattung, Logistik und Service zu einem belastbaren Gesamtsystem zu verbinden.
Quellen
- AUMA: Veranstaltererhebung 2025 – Umsatz auf hohem Niveau
- AUMA: Veranstalter setzen auf Innovation und Zukunftsfähigkeit
- BlachReport: Deutsche Messeumsätze auf hohem Niveau
- AUMA: Neues Verpackungsrecht und Messewirtschaft
- EU-Verordnung 2025/40 über Verpackungen und Verpackungsabfälle
- Bundesgesetzblatt: Anpassung des Verpackungsrechts
- BlachReport 19/2026: Raumgestaltung und flexible Eventlogistik
- Event Partner: Praxisbericht zum selbst entwickelten Ticketportal
